Pressespiegel 04
Berliner
Ludwig-Enthusiast will die Spekulationen um den Tod
des Monarchen beenden
"Virtuelle Autopsie" für den Märchenkönig?
dpa Deutsche Presse-Agentur/WeltOnline
vom
3. Juni 2007
Von Hermann Weiß
München - Peter Glowasz weiß es
schon lange: "Der Bayern-König Ludwig II. ist
nicht
ertrunken. Er ist erschossen worden." Mindestens
ebenso lange versucht der 70jährige
Berliner Geschichtsforscher, diese "richtige" Version
vom Tod des Märchenkönigs mit
Nachdruck zu verbreiten.
"Unerbittlich drängt die Geschichte
nach Wahrheit",
schrieb Glowasz 2002 als Kolumnist
der Fan-Seite " www.koenig-ludwig.org" im Internet. "Und
wenn die ganze Wahrheit
jetzt nicht in die Welt kommt, obliegen weitere Geschehnisse
der Lüge."
Jetzt drängt Glowasz, der bei Verehrern des Märchenkönigs
einen ehrenvollen Ruf
genießt, wieder in die Öffentlichkeit. Dieses
Mal mit einer spektakulären Forderung.
"
Zur Klärung der Todesursache Ludwigs II." solle
eine "virtuelle Autopsie" des toten
Monarchen durchgeführt werden, dessen Leichnam in
einem Sarkophag in der
Königsgruft der Münchner St. Michaelskirche
ruht.
Bei einer solchen "Virtopsie" könne mit
einem bildgebenden Verfahren und eines
Oberflächenscanners ohne Berührung des Leichnams
geprüft werden, ob es einen
Schusskanal gebe, argumentiert Glowacz. Der Zinksarg
müsse dafür lediglich
durchleuchtet werden, die Ergebnisse würden in der
Schweiz ausgewertet, wo die
Technik auch erfunden worden sei.
Der Berliner Ludwig-Enthusiast, der
auch gegen Gerüchte
wie "die angebliche
Homosexualität" des Königs mit ernstem
Eifer zu Felde zieht, ist von der Version der
tödlichen Kugel überzeugt. Seinen Recherchen
zufolge hat Hermann Gudden, ein Enkel
des Königlichen Leibarzts Bernhard von Gudden, die
als Familiengeheimnis gehütete
"wahre Geschichte" vom Ende des Königs auf dem
Sterbebett preisgegeben. "Der König
ist von einem Gendarmen erschossen worden", habe
Hermann Gudden einem
Journalisten erzählt.
Die Todesumstände Ludwigs II.
waren immer Gegenstand wilder Spekulationen. Die
Geschichtsschreibung geht heute vom Tod durch Ertrinken
aus, wobei der Monarch erst
seinen Leibarzt ertränkt haben soll, ehe er selbst
den Freitod suchte. Alle Vorstöße, den
Sarg öffnen zu lassen, scheiterten bislang am Widerstand
der Wittelsbacher, die
Glowasz Idee erst gar nicht kommentieren.
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