Pressespiegel 03
"Virtopsie"
soll Tod des "Kinis"
klären
Verschwörungstheorien um das Ableben
König Ludwig II. haben wieder Konjunktur
Artikel aus deAugsburger Allgemeine
vom 05.06.2007
München, (rm) Eine Verschwörungstheorie
wird dieser Tage aus aktuellem
Anlass wieder aufgefrischt, denn am 13. Juni 1886 kam
der bayerische „Märchenkönig" Ludwig II. im Starnberger See zu
Tode. Grund genug für den Berliner
Geschichtsjournalisten und Ludwig-Verehrer Peter Glowasz,
einen
neuen Vorstoß zur Aufklärung des
mysteriösen Kriminalfalls zu unternehmen: Ludwig-Freunde
aus aller
Welt sollen das Haus Wittelsbach
bewegen, einer "Virtopsie" des toten Königs
zuzustimmen.
Mit der offiziellen, wenig gloriosen Darstellung
des Todes von Ludwig II. haben sich die Ludwig-Verehrer
bis hin zu den ominösen Guglmännern nie zufrieden
gegeben. Sie
besagt, dass sich der Monarch am
Abend des 13. Juni 1886 ertränkte
ganz so, wie es das inzwischen pleitegegangene Ludwig-Musical
in
Füssen inszenierte. Zuvor habe
Ludwig noch seinen Leibarzt Bernhard von Gudden, der
ihn für geisteskrank erklärt hatte, umgebracht.
Die
Darstellung von Mord und
Selbstmord sei eine jahrhundertelang aufrechterhaltene
Lüge, meinen die Ludwig-Treuen und auch
Peter Glowasz. Für den preußischen
Ludwig-Fan steht fest, dass Ludwig
"einem Jahrhundertverbrechen
zum Opfer gefallen ist. Er wurde am
Starnberger See erschossen".
Wie Ludwig II. zu Tode kam,
könnte mit modernen Methoden der
Medizin, mit denen man auch schon
einer Vergiftung von Pharao Tutench-Amun auf die Spur
kam,
wahrscheinlich geklärt werden,
doch das Haus. Wittelsbaeh sieht
keinen Anlass, den Leichnam des
mit 40 Jahren gestorbenen Monarchen zur Verfügung
zu stellen.
Grund genug für die unermüdlichen
Ludwig-Forscher, an eine Verschwörung zu glauben,
die auch
heute noch so heiß ist, dass sie nicht ans Licht
darf.
Schon vor 14
Jahren sei er mit
der Bitte nach einer Autopsie auf
Granit, gestoßen,
berichtet Glowasz. Jetzt will
der Berliner Geschichtsforscher
einen neuen Anlauf versuchen.
Inzwischen sei es
möglich, an dem
Leichnam eine
Autopsie vorzunehmen, ohne
den in der
Fürstengruft der
Sankt Michaelskirche in München ruhenden
Zink-Sarkophag
anzurühren.
Neue bildgebende Verfahren wie
etwa die Mehrschicht-Computertomographie
und 3-D-Oberflächenscanner
könnten heutzutage erkennen, ob
die Gebeine in dem Sarkophag
Schussverletzungen aufweisen. Die
Ergebnisse könnten in der Schweizer Bundeshauptstadt
Bern ausgewertet werden, sagt Glowasz. Er
habe das alles bereits mit Hilfe der
Bundesanstalt für Materialprüfung
ausgetüftelt.
Wenn überhaupt ein Leichnam in dem Zinksarg liegt.
Das stellen die
"Gugimänner" in Abrede. Die geheimnisvolle Gemeinschaft von
Kapuzenträgern, die ihre Wurzeln
vor 850 Jahren sehen, verkündet auf
ihrer Internet-Seite, was sie anlässlich des 114. Todestages ihres Königs
recherchiert hatte: „Ein Loch
ist im Sarg." Der Sarkophag sei in
den 30er-Jahren heimlich geöffnet
worden, um den Leichnam des Königs zu entfemen und sämtliche
Nachforschungen zu vereiteln,
glauben die Guglmänner.
Ludwig-Forscher Glowasz ist
wenig zuversichtlich, dass die Wittelsbacher jetzt ihre
Zustimmung zu
den Forschungen am Sarg Ludwig
II. geben werden. Über das Internet
will der 70-Jährige daher weltweit
Ludwig-Fans mobilisieren, Druck
auf das Königshaus auszuüben. Ein
Jahr lang sollen die Ludwig-Verehrer auf einer Internet-Seite
ihre Bitten um Aufklärung deponieren. Mit
dem geballten Votum der Märchenkönig-Anhänger
auf der ganzen
Welt will sich Glowasz erneut an
Herzog Franz von Bayern mit der
Bitte um Zustimmung zu einer
"Virtopsie" wenden.
Die Unterstützung der Guglmänner
hat er. Wenn sich der Herzog
Franz immer noch weigere, dann
beweise das doch, dass etwas faul
sei, meldete sich ein Geheimbündler
in einer Münchener Zeitung zu
Wort. Für die Guglmänner stellt
sich ohnehin bereits die nächste
Frage: "Wo befindet sich der König
heute?"
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