Pressespiegel 02
Virtuelle
Autopsie soll Tod von Märchenkönig
klären
Initiative: Wittelsbacher sollen Zustimmung
geben
Panorama
Artikel aus den
Stuttgarter Nachrichten
vom 08.06.2007
München - Um die genauen Umstände
des Todes des bayrischen Märchenkönigs Ludwigs
II. aufzuklären,
soll seine Leiche jetzt obduziert werden - virtuell und
ohne sie zu berühren.
Von unserem Korrespondenten
RALF MÜLLER, München
Viele Legenden ranken sich um den Tod wichtiger
Persönlichkeiten. Eine Verschwörungstheorie
wird dieser
Tage aus aktuellem Anlass wieder aufgefrischt, denn am
13. Juni 1886 kam der bayerische Märchenkönig
Ludwig
II. im Stamberger See zu Tode. Grund genug für den
Berliner Geschichtsjoumalisten Peter Glowasz, einen
neuen Vorstoß zur Auklämng des mysteriösen
Kriminalfalls zu unternehmen: Ludwig-Freunde aus aller
Welt sollen das Haus Wittelsbach bewegen, einer Virtopsie
- eine virtuelle Autopsie - des toten Königs zuzustimmen.
Mit der offiziellen, wenig gloriosen Darstellung des
Todes
von Ludwig II. haben sich die zahllosen Ludwig-Verehrer,
die sich teilweise in ominösen Zirkeln organisieren,
nie
zufrieden gegeben. Sie besagt, dass sich der Monarch
am
Abend des 13. Juni 1886 ertränkte - ganz so, wie
es das
inzwischen Pleite gegangene Ludwig-Musical in Füssen
inszenierte. Zuvor habe Ludwig noch seinen Leibarzt
Bernhard von Gudden, der ihn für geisteskrank erklärt
hatte, umgebracht.
Die Darstellung von Mord und Selbstmord
sei eine jahrhundertelang aufrechterhaltene Lüge,
meinen die
Ludwig-Treuen und mit ihnen Peter Glowasz. Für den
preußischen Ludwig-Forscher steht fest, dass Ludwig
" einem Jahrhundertverbrechen zum Opfer gefallen ist. Er
wurde am Stamberger See erschossen."
Wie Ludwig II zu Tode kam, könnte mit den modernen
technischen Methoden der Medizin, die sogar schon einer
Vergiftung von Pharao Tutenchamun auf die Spur kam,
wahrscheinlich geklärt werden, doch das Haus Wittelsbach
sieht keinen Anlass, den Leichnam des mit 40 Jahren
gestorbenen Monarchen dafür zur Verfügung
zu stellen.
Ein Grund mehr für die unermüdlichen Ludwig-Forscher,
an eine Verschwörung zu glauben, die auch heute
noch so
relevant zu sein scheint, dass sie nicht ans Licht darf.
Schon vor 14 Jahren sei er mit der Bitte nach einer
Autopsie auf Granit gestoßen, berichtet Glowasz.
Jetzt will
der Berliner Geschichtsforscher einen neuen Anlauf
versuchen. Inzwischen sei es möglich, an dem Leichnam
eine Autopsie vorzunehmen, ohne den in der Fürstengruft
der Münchener Sankt- Michaels-Kirche ruhenden
Zink-
Sarkophag auch nur anzurührenden. Neue Bildverfahren
wie die Mehrschicht-Computertomografie und 3-D-
Oberflächenscanner könnten heutzutage durchaus
erkennen, ob die Gebeine in dem Sarkophag
Schussverletzungen aufweisen. Die Ergebnisse könnten
in
der Schweizer Bundeshauptstadt Bern ausgewertet werden,
sagte Glowasz. Er habe das alles bereits mit Hilfe der
Bundesanstalt für Materialprüfung ausgetüftelt.
Schriftsteller und Ludwig-Forscher Glowasz
ist allerdings wenig zuversichtlich, dass die Wittelsbacher
dieses Mal
so
einfach ihre Zustimmung zu den Forschungen am Sarg
Ludwig II. geben werden. Über das Internet will
der 70-
Jährige daher weltweit die Ludwig-Fans mobilisieren,
Druck auf das Könighaus auszuüben. Ein Jahr
lang sollen
die Ludwig-Verehrer auf einer Intemetseite ihre Bitten
um
Aufklärung im Web deponieren. Wenn sich der Herzog
Franz dann immer noch weigere, beweise das doch, dass
an
der Sache bestimmt etwas faul sei. |