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DER SARKOPHAG KÖNIG LUDWIGS II. VON BAYERN - EIN GEHEIMNIS?

Ein Forschungsbericht von Peter Glowasz

Vor vielen Jahren berichteten Tageszeitungen, Zeitschriften, viele Boulevardblätter, Nachrichtenmagazine und TV-Sender darüber, dass “Bayerische Royalisten” seltsame Spuren am Sarkophag Ludwigs II. entdeckt haben; darüberhinaus behaupteten sie, der Leichnam läge nicht im Sarg, er wurde beseitigt!

Diese Veröffentlichungen in den Medien erregten viele Gemüter, sorgten aber auch für eine gewisse Verwirrung.

Schon damals hielt ich eine Richtigstellung bzw. Aufklärung diesbezüglich für dringend erforderlich.

Zum besseren Verständnis lesen wir zunächst einmal, was beispielsweise das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in der Ausgabe 31/2000 zu der Behauptung der “Royalisten” schreibt:

“Auf Krücken gestützt, zwei Freunde zur Seite, plagte sich der Königsfan die Stufen in der Münchner Sankt Michaelskirche hinab. Unten in der Gruft, vor dem Sarkophag Ludwigs II., legte der ‘LahmeÄ die Gehhilfen weg.

Während eine attraktive Komplizin den Wächter im Vorraum der Gruft ablenkte, packten die drei Männer ein kleines Wägelchen aus, auf das sie einen Fotoapparat samt Blitzanlage montiert hatten. Mit Hilfe der Krücken schoben sie die Apparatur nach einem festgelegten Schema unter dem auf Sockeln ruhenden Sarg hin und her.

Die drei Männer gehören zu den ‘Guglmännern’ Ihrer Majestät, einem selbst ernannten Geheimbund von Royalisten, der bislang vor allem durch Gedenkaktionen für Ludwig II. auffiel. Mit dem Fototrip in die Gruft, so behaupten diese Guglmänner, hätten sie eine Sensation aufgetan: Die letzte Ruhestätte des am 13. Juni 1886 Verstorbenen sei nämlich gewaltsam geöffnet worden. Außer dem Loch im Sarg sei bei der Aktion am 10. Mai 2000 angeblich auch eine verdächtige Lötnaht entdeckt worden, die sich rund um den Boden des Zinnsarkophags zieht. Wie eine Sardinenbüchse sei der Sarg einst aufgetrennt worden, so die Guglmänner. Das Loch, etwa 40 Zentimeter lang, sei entstanden, als Grabräuber den Sargboden mit roher Gewalt aufhebelten, um den Leichnam des Märchenkönigs verschwinden zu lassen.

Nur, warum den toten König stehlen? Darauf kennen die Guglmänner nur eine Antwort: um den ‘Mord’ an Ludwig ‘auf ewig zu vertuschen’.

In den dreißiger Jahren, so die Theorie der Guglmänner, hätten die Wittelsbacher dann wegen aufkommender Gerüchte fürchten müssen, daß sich Adolf Hitler über ihre Rechte an an Sarg und Leichnam hinwegsetzt. Er hätte Ludwig II. exhumieren lassen können und wäre dabei dem Mord auf die Spur gekommen. Deshalb habe das Königshaus, so die Guglmänner, den Leichnam in einer ’Nacht-und-Nebel-Aktion’ heimlich verschwinden lassen; den Leichnam habe man dann an einem geheimen Ort, angeblich in einem Benedektiner-Kloster, außerhalb Münchens, begraben.

Die Wittelsbacher um Herzog Franz von Bayern wollen freilich auch heute nichts von einer Exhumierung hören. Die Lötnaht am Sargboden sei in keiner Weise ein Indiz, sondern ’original’; und das Loch, so ein Sprecher des Hauses Wittelsbach, sei korrosiven Ursprungs (sprich: Rostbefall) mit oxydativen Verkrustungen, also eine Folge organischer Zersetzungsprozesse im Holsarg; sie hätten den Boden des umhüllenden Zinnsargs teilweise angegriffen. - Und im übrigen sei der Sarg voll, erklärt der Sprecher des Königshauses.

Die Gugl-Gruftologen geben sich damit aber nicht zufrieden; eine Anylyse der fraglichen Stelle, so die Guglmänner, habe ergeben, daß das Loch im Sarg notdürftig mit Lehm zugeschmiert wurde. Und die Lötnaht sei eine ’außerordentlich grobe Arbeit’, die im Widerspruch zur sonst ’perfekten handwerklichen Ausführung des Sarkophages’ stehe.”

Soweit auszugsweise eine der zahlreichen Presseveröffentlichungen der Guglmänner hinsichtlich ihrer These vom manipulierten Sarkophag König Ludwigs II. von Bayern.

Nun, wer sind eigentlich diese sogenannten Guglmänner? Die Sitte der Guglmänner stammt aus der Pestzeit; nur wenige beherzte und selbstlose Männer waren damals bereit, die vielen Pest-Toten bei einer Pestepidemie zu beerdigen. Diese Männer schützten sich vor einer Infektion dadurch, dass sie sich schwarz vermummten und nur kleine Schlitze für die Augen freiließem. Und somit galten die Guglmänner seit der Pestzeit als Symbole des Todes und auch der Ermahnung der Lebenden; Abordnungen der Guglmänner schritten bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für die bayerischen Monarchen stets dem Sarg voraus, angetan mit schwarzen Mönchskutten. Haare und Antlitz waren bedeckt von einer schwarzen, spitzen Gugel (sprich: Kapuze), die aber vorn weit über die Brust herunter reichte und in denen nur die besagten Schlitze für die Augen waren. In den Händen hielten sie zwei gekreuzte, brennende Fackeln sowie die kostbaren Wappenschilde der verstorbenen Bayernherrscher.

Am 19. Juni 1886, dem Tag der Beerdigungsfeierlichkeiten, begleiteten auch die Guglmänner den Leichenwagen König Ludwigs II. Vor dem Portal der Münchner Sankt Michaelskirche in der Neuhauser Straße angekommen, trugen 8 Guglmänner den Sarg Ludwigs aus dem achtspännigen Hoftrauerwagen in die Kirche, in deren Gruft er dann beigesetzt wurde.

Diese geheimnisvolle Organisation der Guglmänner, weder die Zahl der Mitglieder, noch die Statuten, noch die Namen, noch die Versammlungsorte wurden jemals veröffentlicht, soll angeblich heute noch existieren; überall wollen sie dort als Mahner und Warner zugegen sein, wo das Andenken Ludwigs II. mit Füßen getreten wird. Auch haben sich diese Guglmänner zur Aufgabe gemacht, nicht zu ruhen, bis die Todesumstände vollkommen aufgeklärt sind.

Die Aufgabe hinsichtlich der Aufklärung der Todesursache, die sich die Organisation gesetzt hat, ist sehr zu begrüßen, doch die veröffentlichte Dokumentation über das Ergebnis ihrer Aktionen vom Mai 2000: “Ein Loch ist im Sarg - und der Sarg ist leer” bedarf dringend einer Korrektur.

Darüber mehr im 2. Teil des Forschungsberichts.


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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